Aktuelles: Februar 2013

Zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

2013-02-20 08:25 von Robert Griesbeck

Die Ereignisse überschlagen sich

 

Rosenmontag kurz vor 12.00 Uhr: Erste Anrufe erreichen die Gemeindeverwaltung. Ein Radiosender hat den Rücktritt des Papstes gemeldet. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Meldung in Pentling. Viele Anrufer wollen von der Gemeindeverwaltung wissen, ob die Meldung stimmt.

 

Drei Minuten später: Anruf der Deutschen Presseagentur im Rathaus. Der Redakteur möchte einen Kommentar des Bürgermeisters zum Rücktritt des Papstes.

 

Weitere drei Minuten später: Fernsehsender, Radiosender, Presseagenturen und Zeitungsredakteure überfluten das Rathaus mit telefonischen Anfragen und Interviewwünschen. Immer wieder beantwortet Bürgermeister Albert Rummel die gleichen Fragen: Welche Auswirkungen hat der Rücktritt des Papstes auf Pentling? Was sagt die Gemeinde zum Rücktritt des Papstes? Wie bereitet sich Pentling auf den Rückkehr des Papstes vor? Wo wird der Papst in Pentling wohnen? In welcher Kirche wird der Papst künftig die Messe feiern?

 

Der Rücktritt

 

„Einer von uns ist Papst!“ Mit großer Freude wurde am 19. April 2005 die Nachricht von der Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst in Pentling aufgenommen. Als Benedikt XVI. seinen Rücktritt verkündet, will es zunächst keiner glauben. „Mit großem Respekt vor diesem historischen Schritt haben wir am 11. Februar 2013 die Nachricht vom Rücktritt Papst Benedikt XVI. aufgenommen“, erklärte der Bürgermeister immer wieder gegenüber den unzähligen Pressevertretern im Rathaus und am Telefon. „Einer von uns war Papst!“, muss es zukünftig heißen. Nachfolgend haben wir deshalb die Erklärung des Hl. Vaters im vollständigen Wortlaut abgedruckt:

 

„Liebe Mitbrüder! Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch, um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“

 

 

Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. und Pentling

 

06. November 1969: Joseph Ratzinger meldet sich mit Hauptwohnsitz in Pentling, Hölkeringer Straße an.

 

November 1970: Der Professor zieht in sein neu erbautes Haus an der Bergstraße.

 

31. Mai 1987: Wegen seiner großen Verbundenheit zur Gemeinde und seiner Bewohner wird er zum 1. Ehrenbürger der Gemeinde Pentling ernannt. Über viele Jahre hinweg hat er den Gottesdienst in Pentling zelebriert. Die persönliche Verbundenheit mit der Kirche St. Johannes zeigte sich auch im Engagement bei der Restaurierung der Kirche und bei der Beschaffung der 3. Glocke. Trotz seiner Aufgaben als Erzbischof von München und Freising und als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom zeigte er seine Verbundenheit zur Bevölkerung weiterhin durch Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten, Fahrzeugsegnungen, die Glockenweihe oder auch die Weihe des Missionskreuzes. Selbstverständlich reiste er auch zum Dienstjubiläum des unvergessenen Mesners Georg Hopfensperger aus Rom an. Er hatte immer Zeit für diese Einweihungen und für gemeindliche Feiern, die zum großen Teil in seinem Urlaub stattfanden, den er meistens in Pentling verbracht hat.

 

19. April 2005: Joseph Ratzinger wird als erster Deutscher seit fast 500 Jahren zum Papst gewählt.

 

24. April 2005: Amtseinführung Papst Benedikt XVI. in Rom. Eine große Delegation aus Pentling gratuliert ihrem Ehrenbürger. Die Fahnen der Gemeinde und von 5 Feuerwehren und Schützenvereinen wehen am Petersplatz.

 

27. April 2005: Festakt des Gemeinderates und Verabschiedung einer Grußadresse, in der dem neuen Papst zu seiner Erhebung gratuliert wird. Nach einem feierlichen Gottesdienst fand die Festsitzung des Gemeinderates im Bürgersaal des neuen Rathauses statt. Vor Beginn der Festsitzung konnten sich alle Bürger in Gratulationslisten eintragen. Radio Charivari und der Bayer. Rundfunk zeichneten die Veranstaltung auf.

 

08.September 2005: Der Papst empfängt eine Pentlinger Delegation aus Gemeinderäten und Mitgliedern der Filialgemeinde St. Johannes in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo. Die 2-Stunden dauernde Privataudienz war ein beeindruckendes Erlebnis für alle Teilnehmer. Nur einige Schritte vom Papst entfernt konnte mit ihm die Eucharistie gefeiert werden. Die Hl. Kommunion verteilte der Papst persönlich. Nach dem päpstlichen Segen wurde die Gruppe in die Räume „Sala degli Svizzeri“ geleitet. In einer sehr persönlichen Rede in familiären Worten ließ der Hl. Vater die rund 30 Jahre seines Lebens in Pentling Revue passieren. „Pentling ist für mich im tiefsten Sinn ein Daheim“, so der Papst. Für alle Anwesenden nahm er sich die Zeit ein paar persönliche Worte zu wechseln.

 

8. April bis 1. Mai 2006: Die Ausstellung „Einer von uns ist Papst“ findet im Bürgersaal und im Sitzungssaal des Rathauses statt. Die Ausstellung zeigt Familienbilder, Privates aus seinem Haus sowie Andachts- und Kunstgegenstände. Viel Neues haben die Besucher über seine Kindheit, seine Zeit als Hochschullehrer, Pfarrer, Kardinal, Schutzherr der Floriansjünger und Papst erfahren.

 

02. bis 17. September 2006: Die Ausstellung wird wegen des großen Erfolges nochmals der Öffentlichkeit präsentiert.

 

13. September 2006: Im Rahmen seines Deutschlandbesuches verbrachte der Hl. Vater einen privaten Tag in Pentling. Die Gemeinde hat diesen Wunsch nach ein wenig Privatsphäre respektiert und alle Vorbereitungen unterstützt, damit der Papst nochmals sein Haus in Pentling besuchen konnte. Umso mehr haben wir uns über den Eintrag in das Goldene Buch der Gemeinde, seine Ansprache beim Verlassen des Wohnhauses und über seine ungeplante Fahrt durch Pentling gefreut. Leider verhinderten die Sicherheitskräfte den Besuch bei der Feuerwehr. Viele Pentlinger hatten sich dort eingefunden, da an der Bergstraße kein Zutritt möglich war und fest mit einem Besuch bei der Feuerwehr gerechnet wurde.

 

16. April 2007: 80. Geburtstag des Hl. Vaters und Spatenstich für das Pflegeheim Haus Benedikt. Drei Tage später überbrachte Bürgermeister Rummel in Rom bei der Generalaudienz am Petersplatz persönlich die Glückwünsche aller Pentlinger Bürger. Besonders freute sich der Papst über ein Foto seines Hauses in Pentling mit einer blühenden Magnolie.

 

20. November 2007: An diesem Tag wurde Richtfest am Pflegeheim „Haus Benedikt“ gefeiert. Papst Benedikt übersandte für den Grundstein eine wertvolle Silbermedaille als Zeichen der Verbundenheit mit der Pentlinger Heimat.

 

01. Oktober 2008: Das Haus Benedikt wurde eröffnet. Papst Benedikt XVI. erteilte dem neuen Seniorenpflegeheim den apostolischen Segen und übersandte ein aufwendig gestaltetes Dokument.

 

2. März 2011: Erneut werden Pentlinger Gemeinderäte und Bürger zu einer Privataudienz nach Rom eingeladen.

 

15. April 2012: Bürgermeister Rummel berichtet in einem ausführlichen Brief über die Gemeinde und übersendet das Fotobuch „Unser Pentling“. Papst Benedikt XVI. bedankt sich mit einem persönlichen Schreiben und wünscht allen Pentlinger Bürgerinnen und Bürgern eine von Herzen gesegnete Osterzeit.

 

16. April 2012: Papst Benedikt feiert den 85. Geburtstag. Zusammen mit dem Bayer. Ministerpräsidenten Horst Seehofer reist eine Delegation aus Pentling nach Rom. Bürgermeister Rummel konnte auf dem Petersplatz die persönlichen Glückwünsche übermitteln. Zu Ehren des Papstes fand in Pentling eine Geburtstagsmesse und im Bürgersaal ein Geburtstagsempfang statt. Die Deutsche Post würdigte den Geburtstag mit einem Sonderstempel.

 

11. Februar 2013: Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI.

 

28. Februar 2013, 20.00 Uhr: Papst Benedikt XVI. tritt von seinem Amt zurück – als erster Papst seit über 700 Jahren.

 

Grüße nach Rom

 

„Wir wünschen dem Heiligen Vater, Papst em. Benedikt XVI. alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand und Gottes Segen für seinen weiteren Lebensweg. Er ist und wird immer einer von uns bleiben“, so Bürgermeister Albert Rummel. „Wir wünschen ihm für die Zukunft Gesundheit und Kraft für die kommenden Jahre und hoffen auf ein Wiedersehen mit einigen Pentlingern. Wir sind unserem Pentlinger Ehrenbürger immer Nahe.“