Neudorf

Das Pflegegericht Haidau erhielt von der Hofkammer mit Resolution vom 14. August 1723 den Auftrag, die bisher ödgelegene Hohengebrachinger Heide zu Nutzen zu bringen und den Untertanen, welche Gründe Kultivieren wollen, die erbetene Anzahl von Tagwerken zu zuweisen. Die große Entlegenheit des Gerichtssitzes Pfatter von der Heide war wohl die Hauptschuld, dass das Siedlungswerk nicht so rasch gefördert wurde wie vom Gerichte Abbach die Anlage von Seedorf.
So geschah im gleichen nichts um den Hofkammerauftrag auszuführen.

Im Januar 1724 richtete der Pfleger nochmals eine unnötige Anfrage wie hoch das Tagwerk zu veranschlagen sei. Die Antwort erging am 12. April an das Rentamt Straubing. Der Kaufpreis wurde nicht allgemein festgelegt, sondern es soll ein möglichst hoher Preis erzielt werden.

Im August 1724 fand eine Visitation des Gerichtsschreibers von Pfatter – Haidau und des Amtmannes von Mintraching zur Situation der Grenz-gemarkung statt.
Im Herbst machte der Geometer Hierneis aus Straubing die Vermessungen. Im nächsten Winter hindurch verarbeitet das Pfleggericht Haidau die Ergebnisse zu einer ausführlichen Beschreibung der haidauerischen Heide. Der Flächenanteil des im Gerichtsbezirks Haidau liegenden Heideanteil betrug 986 ¾ Juchert; davon entfielen 570 ½ Juchert auf die Birkenheide, das Gelände zwischen Scharmassinger, Oberhinkofener, Denacker`ischen und Posthof`ischen Flur. Hier wollte der Pfleger ein neues Dorf errichten. Genügend Ackerboden war vorhanden, wenn auch nicht so gut wie derjenige um Seedorf, dazu zwei Täler für Wiesen und Painten und in der Nähe eine „Tegelgrube“ mit 18 Werkschuh tiefer Ziegelerde.

Zur Ausnutzung dieses Tiegels konnte in dem neuen Dorfe zwei Töpfer Beschäftigung finden. Auch ein Metzger, Bäcker, Krämer, der zugleich eine Bierschenke innehätte, ein Schmied, Wagner, Schuhmacher und Schneider konnte sich dort ansiedeln, zumal derlei Handwerker in dem dortigen Revier nicht anzutreffen seien.

Die durchführende Landstraße nach Regensburg konnte auch das Bedürfnis nach einer Einkehr und Übernachtungsmöglichkeit wachrufen.

Von der Hofkammer wurde das Gericht am 10. April 1925 wegen Grenzdifferenzen vertröstet. Im Sommer 1725 maß der Geometer jedem Käufer einige Gründe zu. Beabsichtigt war jedem Siedler 15 Tagwerk zuzuteilen. Der Geometer teilte wegen herrschender Grenzunstimmigkeiten der Gründe und Weidschaften jedem Bewerber 14 – 18 Tagwerk zu.

Die Siedler begannen im Sommer 1725 mit dem Bau der Häuser. Einige waren zu Jahresende vollendet. Die anfängliche zahl derselben ist nicht mehr bekannt. In den Akten ist nur zu finden, dass im Jahre 1732 acht neue Söldner angesiedelt waren.


Darunter befand sich ein Wirt, der auch das recht zur Ausübung der Bäckerei, Metzgerei und Krämerei hatte, und ein Hafner zur Ausnutzung des in der Nähe liegenden Tiegels. Wie in Seedorf wurde auch hier eine gerade Straße auf einem Hügelrücken von Westen nach Osten gezogen. Und links davon die Wohnhäuser mit der front nach Süden angelegt.

Im Frühjahr 1732 wandten sich die Neudorfer mit einer Bittschrift an die Hofkammer um Zuweisung neuer Gründe. Sie hätten Schulden und die Felder gäben nicht viel her. Im Mai 1740 wandten sich die Siedler mit den gleichen Klagen unmittelbar an den Kurfürsten um die Zumessung der noch ausstehenden Gründe. Mit dem bis dahin zugewiesenen Grund konnte aber jeder nur zwei Öchsl und eine Kuh „hinauswintern“. Einen Erfolg scheint auch dieser Versuch nicht gehabt zu haben.

1740 als Siedler (Söldner) in Neudorf geführt: Hans Aumer, Mathias Hendlmayr, Michael Kammermayr, Christoph Schmidt, Johann Jobst, Antoni Schmidt, Georg Ramsteiner, Mathias Weißenhammer, Tobias Katenmayr, Mathias Pichlmayr (Wirt).
Bei der Vermessung der Heide im Jahre 1752 waren zehn Söldner mit verschieden großen Höfen und ein Hirte angesiedelt. Es waren (1 Viertel-, 2 Drittel-, 7 Achtelhöfe und ein Hirthaus). Als ganzer Hof galt gewöhnlich eine Besitzung von 50 – 60 Tagwerk.
Die Abgaben waren an das Kloster St. Emmeram zurichten. Am 9. November 1752 fand die feierliche Extradition der Heide an das Stift statt. Zu diesem feierlichen Akte, der dem Stifte ein durch ein halbes Jahrhundert bestrittenes und ein Vierteljahrhundert entzogenes Eigentum wiedergab, erschien der Abt des Kloster Reichsfürst Johann Baptist, in eigener Person. Im August 1754 sandte die Regierung in Straubing die Akten an die Hofkammer ein. Zuvor hatte der Vertreter des Deutschordens am 10. November 1752 noch Protest gegen diesen Akt eingelegt.
Der Name Neudorf für die Siedlung auf der Birkenheide wurde schon bei der Gründung des Dorfes 1725 in die Pfarrmatrikel von Hohengebraching gebraucht und erhielt sich als amtliche Bezeichnung bis zum heutigen Tag. Daneben wurde bisweilen Haidneudorf geschrieben, wohl zum Unterscheid von anderen Dörfern desselben Namens.
In der Umgebung aber wird der der Name „Heid“ und zur Unterscheidung der „Oberen Heid“ (Seedorf) die Bezeichnung „Untere Heid“ vorzugsweise gebraucht.

Quellen: Besiedlung der Hohengebrachinger Heide von Dr. Josef Deml (Staatsoberarchivar Amberg) im Jahre 1927
Historischer Verein Oberpfalz und Regensburg113, Band 1973, Hohengebraching, von Georg Völkl
Bearbeitet von Josef Eder im Jahre 2004