Seedorf

Noch vor 300 Jahren bestanden Seedorf, Neudorf, Höhenhof, Nußhof, Nußgatten, Großberg und Ziegetsdorf nicht. Letztere zwei Orte wurden 1803 angelegt.
Seedorf und Neudorf gründeten 1725 nachgeborene Bauerssöhne der Umgebung. Diese Dörfer entstanden auf der mehr als 1200 1gw. umfassenden Hohengebrachinger Heide, einem Gebiet, das die Römer zur Sicherung ihres Regensburger Lagers zum Niemandsland gemacht hatten, um von den Aussichtstürmen weithin die Landschaft einsehen zu können.

Die Flächen blieben entvölkert und ohne Baumwuchs. Den Humus trug der Wind fort. Seedorf und Neudorf wurden planmäßig als Reihendörfer errichtet: Seedorf mit neun Gütel und einem Dorfhirthaus; In Seedorf erhielt jeder Siedler genau 30 Tagwerk., in Neudorf 14 - 16 Tagwerk. Ein Tagwerk. kostete 1 Gulden 30 Kreuzer. Die Siedler erbauten sich ein Häusl mit Stall und eine Schupfer. Sie rodeten den Grund, der mit Bauschen und Stauden überflogen war. In Seedorf standen zu Beginn des Jahres 1726 die neun Bausölden fertig und in diesem Jahr konnten sie die erste Wintersaat der Erde anvertrauen.

Froh waren sie, wenn sie auf dem Sandboden in den ersten Jahren soviel ernteten, als sie Saatgetreide ausgesäht hatten und wenn sie eine Kuh oder ein Ochsel hinauswintern konnten. Bevor sie aus dem Boden etwas herauswirtschaften konnten, ging ihnen das Geld aus und sie ächzten unter der Zinsenlast. Alle lebten ärmlich. Erdäpfel waren ihre Hauptspeise. Aber sie ließen sich nicht unterkriegen.
1732 klagten die Siedler in einer Bittschrift an die churfürstliche. Hofkammer, in einem trockenen Sommer wachse überhaupt kein Getreide. Wenn ihnen das Kloster St. Emmeram nicht immer wieder unter die Arme gegriffen hätte, wären sie schon längst verdorben.
Massiv angefeindet wurden die Siedler von Anfang an. Der Schloßherr Lerchenfeld auf Gebelkofen richtete wegen Beeinträchtigung seiner Jagd durch die Urbarmachung eine Beschwerdeschrift an die Regierung und verdächtige darin die Kolonisten »als Winkelhäusler, die nur von dem Wildpretschießen, Fallenlegen, Hasedrähtenrichten, Diebstahl in Holz und Feld lebten. Auch sämtliche umliegende Höfe, Weiler und Dörfer standen der Besiedlung feindlich gegenüber, weil alle dorthin ihr Vieh auf die Weide trieben. Energisch protestierten sie bei Gericht.
So zogen am Pfingstsonntag 1725 nach dem Gottesdienst fünfzehn Peisinger Untertanen mit ihrem gesamten Viehbestand von 131 Stück auf die Heide und trieben die Herde in die von den Seedorfern erkauften und gerodeten Gründe. Bei Gericht entgegneten die Peisinger, sie hätten nur auf den siebzig Juchert geweidet, die ihnen als Weideplatz in Aussicht gestellt worden sind.
Den Ortsnamen Seedorf, der sich amtlich durchsetzte, schlug gelegentlich der ersten Siedlungsentwürfe der Abbacher Gerichtsschreiber Fischer vor; er wurde dann selbst Seedorfer Siedler. Der ‘>See« war ein kleines Weiherl östlich im Wiesengrund. Im Volksmund aber hörte man bis in die neueste Zeit statt Seedorf überwiegend den Namen >‘Obere Heid“. Für Neudorf, auf der Birkenheide entstanden, wurde auch “Haidneudorf« geschrieben, in der Umgebung vorzugsweise ‘>Untere Heid“ genannt.
Die Seedorfer Siedler von 1725 waren: Hans Gierstorfer, Schmied (1752 Hans Gierstorfer), Michael Apf 1, Wirt (1752 Antoni Hofmeister), Peter Schmitmayr (1752 Adam Kirchenbauer), Georg Hofmeister (1752 Georg Hofmeister), Mathias Ipflkofer (1752 Mathias Ipflkofer), Georg Jobst (1752 Jakob Kastenmayr), Georg Josef Fischer, Abbacher Gerichtsschreiber (1752 Michael Grünberger), Mathias Treutinger (1752 Martin Schaider), Jakob Poschenrieder (1752 Jakob Poschenrieder).
Ein Jahrhundert später hat Seedorf - nach Hausnummern geordnet - folgende Anwesenbesitzer:
1. Kandler Johann, 1833 von Straimer Georg erkauft;
2. Schaider Jakob, 1812 von der Mutter übernommen;
3. Grünbeck Wolfgang, 1815 von der Mutter übernommen;
4. Judemann Sebastian, 1825 durch Ehelichung der Katharina Bauer erhalten;
5. Ipflkofer Simon, 1818 von lpflkofer Josef übernommen;
6. Hofmeister Josef, 1802 von der Mutter übernommen;
7. Waikel Georg, 1815 vom Vater Waikel Franz übernommen;
8. Plattner Franz Xaver, Wirt (reale Wirtsgerechtigkeit), 1834 durch Ehelichung der Schreiner Eva übernommen;
9. Schreiner Jakob, 1807 von Maierbeck Georg erkauft;
10. Haindl Michael, Schmid, 1821 von Ostermeier Lorenz übernommen
11. Dorfhirthaus
Das Werk der Heidesiedler und ihrer Nachfahren hat sich lebenskräfitig erwiesen und heute ist Seedorf ein stattliches Dorf. Im Volk schlummert aber keine Erinnerung mehr an die Besiedlung.

Dr. VöIkI Georg
Regensburg